Sie haben eine miese Internet-Seite!

Sie haben eine miese Internet-Seite!

deprimierend

So offen würden es Ihnen die wenigsten sagen, aber viele Seiten sind nicht gut geraten. „Nicht gut“ meint nicht unbedingt Ihr Design. Ihre Seiten können schön und modern designed und trotzdem mies sein. In vielen Seiten stecken Kardinalfehler. Mit diesem Beitrag können Sie selbst prüfen, ob Sie sich auch solche Kardinalfehler leisten.

  1. Nonkonformismus ist Ihr Gestaltungsprinzip?

Natürlich wollen Sie unbedingt eine originelle, auffallende Seite. Sie soll sich schließlich von der Konkurrenz kreativ abheben und diese erblassen lassen. Die Agentur darf sich kreativ austoben. Wenn dann Ihre Suche erst mit Mühe gefunden wird und Links nicht als Links erkannt werden , dann haben Sie das Spiel schon verloren und mag Ihre Seite noch so schick und hipp sein. „Gibt es denn Standards im Internet“, werden Sie sich fragen, da macht doch ohnehin jeder was er will. Auch wenn die Standards nicht als fixe Norm vorliegen, so existieren diese dennoch. Der Verbraucher hat diese gelernt. Die Suche erwartet er mittig und oben, den Warenkorb rechts und die Navigation links oder oben. Strg & C muss ein Kopieren ermöglichen und der Klick auf das Logo geht zur Home. Das Problem mit den Site-Standards ist, dass sich diese Normierungen erst durch das Studium verschiedener Test und Studien ergeben. Natürlich kann man sich an führender Seiten halten, aber auch dort ist dies auch nicht immer gewährleistet. Gerade große Hersteller, wie z.B. Microsoft lassen sich in Sachen Usability oft Kopfgeburten einfallen, die Bewährtes verschlimmbessern. In der Regel sind es nur wenige Handhabungen die die Benutzer in Ihren Computeralltag fest integriert haben. Beobachten Sie selbst mal Ihre Umgebung.

Regel Nr. 1 für eine gute Seite lautet also: Beachte Standards, Standards, Standards.

  1. Sie rechnen mit der Geduld der Besucher?

Das Internet ist nicht der Ort, um die Geduld vom Menschen zu testen. Ihre Besucher wollen hier und jetzt sofort das Erwartete haben. Das Erwartete sind Ihre Kernprodukte, Leistungsversprechen und Ihre Markenbotschaft. Also alles wofür Sie stehen und warum diese Ihre Seite aufgerufen haben. Dies muss „ins Auge stechen“. Erwarten Sie nicht, dass die Besucher danach suchen. Ihr Leistungsversprechen muss klar und deutlich als Hauptüberschrift für Sie stehen und zwar im ersten sichtbaren Teil der Seite, der ohne scrollen zu sehen ist. Ihre Besucher müssen dies innerlich sofort bejahen können.

Regel Nr. 2: Begrüßen Sie den Besucher groß und deutlich mit einem klarem Leistungsversprechen bzw. Ihrer Kernbotschaft. In Subüberschriften erklären und Konkretisieren das Versprechen und stellen die Alleinstellungsmerkmale heraus. Werten Sie das Ganze durch vertrauensbildende Maßnahmen auf: Probenutzungen, Zahlen, Preise, Umfragen. Formulieren Sie als Call to Action im oberen sichtbaren Bereich eine klare Handlungsaufforderung, die Sie hier und jetzt vom Kunden wünschen..

  1. Sie neigen zur Scheindarstellung, zum Geschwafel und zu unpersönlichem Inhalt?

Trotz vieler gestalterisch schöner Seiten, leiden viele Seiten unter diesem Übel. Diese Seiten sprechen nicht die Sprache des Kunden und sie sprechen auch nicht mit dem  Kunden. Die Ansprache ist nebulös, schwammig und ohne Klarheit. Gerne werden wolkenreich Begriffe wie „Mission“, „Vision“, „Weltklasse“ oder „Superior Service“ phrasenreich ausgeschmückt. Denken Sie an Seiten mit inhaltslosen Texten, die so aufgeschäumt sind. Machen Sie Ihr Gedankenexperiment und stellen Sie sich vor, Sie müssten der vorbeiziehenden Menschenmenge erklären, warum diese bei Ihnen am Stand verweilen sollen. Was sagen Sie der Menge? Sie können beispielsweise erklären, was die Konkurrenz falsch und Sie anders machen.

Regel 3: Kommunizieren Sie zum Besucher was diese interessiert, nicht was Sie schon gerne mal erzählen wollten. Bevor Sie sich als innovatives Unternehmen mit Qualitätsoffensive und excellentem Service outen, fragen Sie sich vorher, ob dies ihre Kunden wirklich interessiert, was genau daran die Kunden interessiert und wie Sie solche Eigenschaften glaubhaft darstellen können. Gibt Auszeichnungen, Zertifikate, Tests, Lieferantenanforderungen, Mitarbeiterumfragen, Stiftungen, Sponsoring, Stipendien, White Papers etc. die dies belegen? Sprechen Sie den Besucher mit einem glaubhaften, persönlichen Statement an, dass Sie sich für ihn interessieren. Wenn Sie es wirklich gut machen wollen, engagieren Sie sich einen Profi für Ihre Texte.

  1. Feedbacks sind Ihnen nicht wirklich wichtig?

Feedbacks nicht zu ignorieren heißt, diese systematisch einholen, auswerten und Konsequenzen hieraus zu überlegen. Natürlich können Sie nicht jeder beiläufigen Meinung in aller Konsequenz folgen. Meist müssen Sie sich die Botschaft aus der Meinung erst erschließen. Ein kritisiertes Icon kann z.B. auch bedeuten, dass die Platzierung und nicht das Icon selbst beanstandet wird. Feedback werden von Besucher lieber abgegeben, wenn diese nur mit ja oder nein beantwortbar sind. Scheuen Sie sich aber nicht, auch komplexere Fragen zu stellen: Was gefällt Ihren Besuchern, was nicht? Was ist überflüssig? Welche Inhalte sind schwer verständlich? Warum wurde ein Produkt gekauft?

Regel 4: Bemühen Sie sich kreativ um Feedbacks, vor allem dann, wenn die Erfahrung noch frisch ist. Nutzen Sie Tools wie Qualaroo oder GetDrip. Mit Hilfe solcher Tools können Sie individuell auf der Basis von Benutzerinteraktionen die Feedbacks einsteuern, z.B. bei verzweifelten Klicks auf unverlinkte Icons.

  1. Ihre Navigationen ist für Navigatoren geschaffen?

Häufig hat man beim Besuch von Seiten den Eindruck, der Betreiber geht davon aus, dass ein Studium der Site-Map vorausgesetzt wurde. Der Standardfall bei der Internetgestaltung ist leider immer noch, dass zuerst die Seiten ohne Inventarisierung der Inhalte konzipiert werden. Die Folge ist, dass nicht zur Seite passende Inhalte irgendwo reingestopft werden. Es ist so, als würden Sie eine Designerküche kaufen und dann feststellen, dass Sie Töpfe, Gläser und Geschirr nicht sinnvoll systematisch unterbringen können. Vor einem Seitendesign und Navigationskonzept sollten Sie deshalb zuerst eine Content-Inventarisierung durchführen. Damit legen Sie fest, was auf Ihren Seiten unterzubringen ist.

Regel 5: Eine Content-Inventarisierung ist Voraussetzung vor Ihrem Navigationskonzept. Damit legen Sie fest, welche Inhalte wie zusammengehören und können dann den Pfad bestimmen, wo ein Besucher diese erwarten würde und wie er dorthin gelangt. Haben Sie den Pfad zur Information festgelegt, sollten Sie Tests mit Personen durchführen, die Ihre Seite nicht kennen. Die Testseiten müssen nicht aufwändig programmiert sein. Sie können sogar rein in Papierform erfolgen. Prüfen Sie, ob die Testpersonen, die gleichen Schritte vornehmen wie Sie geplant hatten und ziehen Sie Ihre Schlüsse aus dem Ergebnis. Auch diesen Prozess können Sie mit nützlichen Tools, z.B. von UsabilityHub oder User Testing unterstützen

Möchten Sie mehr zu Content-Inventarisierung, User-Tests, Umfragetools, Navigationskonzepte, Internet-Standards und Textoptimierung erfahren? Nehmen Sie Kontakt mit mir auf. Ich erläutere Ihnen gerne, wie damit Ihr Internetauftritt erfolgreicher wird.

Über den Autor

Thomas Artmann administrator

Nach 20 Jahren Praxiserfahrung im eCommerce als verantwortlicher Leiter stelle ich mein Wissen und meine vielfältigen Erfahrungen in allen eCommerce-Bereichen Ihnen als Berater zur Verfügung. Mein Focus liegt im mittelständischen Mdien- und Handelsunternehmen. Darüber hinaus befasse ich mich wissenschaftlich mit eCommerce und dem Digitalen Wandel.

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